Allgemeines
   
 
Das chronische Müdigkeitssyndrom (CFS)
 
Eine Standortbestimmung

Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS) und Fibromyalgiesyndrom (FMS) sind zwei Symptomenkomplexe mit den Kardinalysmptomen generalisierter Muskelschmerz, bzw. Müdigkeit und Erschöpfung. Gleichzeitig können beide mit einer Vielzahl funktioneller, vegetativer, aber auch psychischer Störungen verbunden sein. Insbesondere mit einem Reizdarm (Colon irritabele), einer Reizblase, Spannungskopfschmerzen, unruhige Beine (Restless-Legs-Syndrom) und einer schmerzhaften Menses (Dysmenorrhoe). Beobachtungen, die dafür sprechen, dass beide klinischen Manifestationen möglicherweise eine einheitliche Ursache haben.
    Verbindende Merkmale bei dieser Gruppe von Patienten sind der Schmerz, die Müdigkeit, die Schlafstörung, aber auch psychische Symptome wie Angst, Depression sowie Stressbelastung. Das weibliche Geschlecht ist besonders häufig betroffen. Auffallend ist, wie sehr sich die Persönlichkeitsprofile ähneln, unabhängig ob Schmerz, Müdigkeit oder Darmstörungen im Vordergrund stehen. Auffallend ist auch zum Beispiel der Hang zum Perfektionismus und der erhöhte Anspruch an die Erfüllung sozialer Rollen, ferner der ausgeprägte Gerechtigkeitssinn und die Tendenz zu angepasstem Verhalten (die Patienten können schlecht "Nein" sagen) und der hohe Leistungsanspruch bei relativ geringer Selbstbehauptung. Man kann bei diesen Patienten auch von einer deutliche erniedrigten Schmerzschwelle, vor allem der Weichteile wie Muskeln, Bänder und Sehnen, aber auch der inneren Organe wie Darm, Gebärmutter und Blase ausgehen.
    Gegen die immer wieder vertretene Auffassung einer vor allem psychisch bedingten Krankheitsmanifestation lassen sich die Vielzahl der bei diesen Patienten beobachteten objekivierbaren neurobiologischen Veränderungen anführen. Diese beziehen sich in erster Linie auf Regulationsstörungen bei Gewebshormonen und Botenstoffen (Calcitonin, Serotonin, Noradrenalin, Endorphine, Dopamin und Histamin).
    Für das Chronische Müdigkeitssyndrom und Fibromyalgiesyndrom lässt sich das Konzept vertreten, dass neben einer genetisch bedingten Anlage, an zentralnervösen Störungen zu erkranken, Auslöser notwendig sind, die diese "Schwäche" (neuroendokrinologischer und immunologischer Interaktionen) sichtbar machen. Infektionen jeglicher Art - Vieren, Bakterien, Pilze-, möglicherweise auch umwelttoxische Faktoren (Holzschutzmittel, Chemikalien, Schwermetalle, Amalgam), ferner psychisch belastende Ereignisse wie der Verlust eines Partners, schwere operative Eingriffe, Unfälle sowie existenzbedrohende Umstände können zu einer Veränderung des immunologischen Gleichgewichts und zu einer Reaktivierung bisher stumm verlaufender infektiöser Prozesse führen.
 
Geschichtliche Aspekte

Die Geschichte der chronischen Erschöpfung lässt sich bis in die Anfänge der Medizin verfolgen. So benannte bereits die chinesische Medizin mit dem Begriff "Shao Yin" eine Form von chronischer Erschöpfung Auch in der römischen Literatur lassen sich entsprechende Hinweise finden. Cicero beschäftigt sich in seiner philosophischen Abhandlung "Tusculanae Disputiones" mit der "Verrohung der Sitten, der Moral und der Veränderung des Körpers durch die Einflüsse des modernen Lebens" und sah einen Zusammenhang zwischen der Erschöpfbarkeit und der "modernen Lebensführung". Aus der Sicht dieser Zusammenhänge heraus entwickelten sich auch die physikalische Therapie und die moderne Ernährungstherapie.
    Im 19. Jahrhundert wurde dann der Begriff der Neurasthenie geprägt und seither wird dieses Gebiet sehr kontrovers diskutiert. Die rasche Entwicklung der Mikrobiologie und Virologie führte zu neuen Konzepten, die die chronische Erschöpfung auf Infektionen zurückführten. So entwickelte sich in den 60er und 70er Jahren den Begriff des chronischen Eppstein-Barr-Virussyndroms, das 1987 in chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS= chronic fatigue syndrom) umbenannt wurde.
 
Symptome des chronischen Müdigkeitssyndroms

Hauptkriterien
  1. Unerklärbare, andauernde oder wiederkehrende Erschöpfung für die Dauer von mindestens 6 Monaten, welche zu einer deutlichen Verminderung aller vorherigen Aktivitäten geführt hat.
  2. Ausschluss anderer Krankheiten, die die Erschöpfung erklären
Nebenkriterien
  1. Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses und der Konzentration
  2. Rachenentzündung (Pharyngitis)
  3. Schmerzhafte zervikale oder axilläre Lymphknoten
  4. Muskelschmerzen (Myalgien)
  5. Gelenkschmerzen
  6. Kopfschmerzen
  7. Kein erholsamer Schlaf
  8. Unwohlsein nach körperlicher Anstrengung
Das CFS gilt als gesichert beim Vorliegen der Hauptkriterien und mindestens 4 Nebenkriterien.
    Die Vielfalt der Beschwerden ist charakteristisch für das Krankheitsbild CFS. In der akuten Phase der Erkrankung, die der Patient erstaunlicherweise meist auf den Tag genau angeben kann, stehen neben der unphysiologischen Erschöpfbarkeit, die nach körperlicher oder seelischer Belastung eintreten kann, Hals- und Kopfschmerzen, Myalgien, flüchtige Muskelschwäche und Sensibilitätsstörungen im Vordergrund. Das chronische Stadium dagegen zeichnet aus durch das große Schlafbedürfnis und psychische Störungen wie Konzentrationsstörungen, Affektlabilität, ungewöhnliche Reizbarkeit und depressive Angststörungen.
    Obwohl, wie sie gesehen haben, sich FMS und CFS weitgehend überlappen, sollte eine Abgrenzung vor allem der Schmerzsymptomatik von dem Müdigkeitssyndrom versucht werden. Umwelttoxische und toxikologische Elemente sind bei der Erhebung der Anamnese zu berücksichtigen. Die Abgrenzung der Müdigkeit im Sinne eines Schlafbedürfnisses von der eher körperlichen Erschöpfbarkeit ist nicht immer einfach, wobei die Patienten mit CFS auch nach einer langen Schlafperiode die Erschöpfung weiterhin besteht, der Schlaf also nicht erholsam war.
    Man könnte vielleicht sagen das FMS und CFS zwei Seiten (unterschiedliche Ausprägungen) einer Münze, bzw. zugrundeliegenden Störung sind.
 
Mögliche Ursachen des chronischen Müdigkeitssyndroms und der Fibromyalgie

Welche Ursachen diesem Beschwerdekomplex zugrunde liegen ist bisher nicht bekannt. Bei einem Teil der Patienten mit CFS werden infektiöse Prozesse als Auslöser diskutiert, wie z. B. eine Infektion mit dem Eppstein-Barr-Virus. Es bleibt aber festzustellen, dass das Eppstein-Barr-Virus sicher nicht als alleiniger Verursacher der Erkrankung gelten kann und auch andere Erreger wie Borrelien, Chlamydien, Helicobacter, Yersinien und andere Vieren als Auslöser, bzw. Begleitinfektion in Betracht kommen.
    Ferner werden Störungen im Zusammenspiel folgender endokriner (hormonproduzierender) Drüsen diskutiert: Hypothalamus- Hypophyse-Nebennierenrinde oder auch Hypothalamuns- Hypophyse-Schilddrüse. Nach Dr. Neeck und Dr. Riedel könnte man derart ausgeprägte Störungen im Zusammenspiel der hormonproduzierenden Drüsen als Ausdruck einer chronischen Streßsituation interpretieren. Auch Abweichungen z. B. im Serotoninspiegel kommen in Betracht. Serotonin (ein Gewebshormon) wird vor allem während des Tiefschlafs produziert und dieses Schlafstadium ist besonders Patienten mit FMS verkürzt. Durch einen Serotoninmangel wird die Schmerzempfindlichkeit deutlich erhöht. Bei beiden Syndromen scheinen autoimmunologische Prozesse eine Rolle zu spielen, die zu einem neurohormonellen Ungleichgewicht mit den beschriebenen Manifestationen führen.
 
Unser Therapieansatz

Viele hundert Fälle von Homöopathen aus aller Welt und eigene Erfahrungen zeigen, das sich beide Beschwerdekomplexe sehr gut mit der Klassischen Homöopathie behandeln lassen.
    Wir suchen für jeden Patienten, das homöopathische Arzneimittel, das nach seinen individuellen Symptomen angezeigt ist.
    Begleitend können Moorpackungen auf der Haslauerliege, eine osteopathische Behandlung, Krankengymnastik oder manuelle Therapie eingesetzt werden, je nach der individuellen Symptomatik.
 
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